Wie Darm und Hirn sich gegenseitig beeinflussen

Motorische und sensorische Nerven verbinden Darm und Gehirn miteinander. Viele somatische aber auch psychische Veränderungen lassen sich auf eine Störung dieser sogenannten Darm-Hirn-Achse zurückführen. Insbesondere entzündliche und funktionelle Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts können auf eine dysfunktionale Kommunikation zwischen Darm und Hirn zurückgeführt werden. Das scheint aber auch bei einigen psychischen Erkrankungen wie Depressionen zuzutreffen, wie erste Studien zeigen.

Unser Verdauungsapparat besitzt ein eigenes Nervensystem, das sogenannte Enterische Nervensystem (ENS). Dabei handelt es sich um ein komplexes Geflecht, das fast den gesamten Magen-Darm-Trakt durchzieht. Gemeinsam mit Sympathikus und Parasympathikus zählt das ENS zu den drei Komponenten unseres vegetativen Nervensystems. Das ENS koordiniert abhängig vom Gehirn oder lokalen sensorischen Wahrnehmungen die Verdauungsvorgänge und reguliert die Darmmotilität, Sekretion, Freisetzung von Enzymen und Hormonen, die immunologischen Funktionen des Verdauungsapparats, den gastrointestinalen Blutfluss und vieles mehr. Auch wenn das ENS fast autonom funktioniert, gibt es einen regen „Informationsaustausch“ zwischen Gehirn und Darm, der zum einen über Nervenverbindungen (autonomes Nervensystem) und zum anderen über zahlreiche bakterielle Stoffwechselprodukte, Hormone (z.B. Leptin und Ghrelin), pro-inflammatorische Zytokine und Neurotransmitter wie Gamma-Amino-Buttersäure (GABA), Dopamin und Serotonin erfolgt. Man spricht von der „Darm-Hirn-Achse“. Auch wenn die Kommunikation auf dieser Achse prinzipiell bidirektional ist, sendet der Darm rund 9-mal mehr Signale zum Gehirn als umgekehrt.

Störungen des Gleichgewichts zwischen zentralem und enterischem Nervensystem

Ist das natürliche Gleichgewicht zwischen den Komponenten des vegetativen Nervensystems gestört, z. B. durch eine stressinduzierte dauerhafte Aktivierung des Sympathikus oder körperliche Belastungen, kann das gesundheitliche Folgen haben. Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Herz-Kreislaufprobleme sowie psychische Beeinträchtigungen wie Burnout oder auch Depressionen sind nur einige der möglichen Beeinträchtigungen. Stress und Anspannungszustände haben über die Darm-Hirn-Achse aber auch Einfluss auf die Funktionen des Verdauungssystems. Interessanterweise sprechen immer mehr Studienergebnisse dafür, dass der Darm umgekehrt auch mitverantwortlich für psychische Probleme wie Depressionen sein könnte. Über den Vagusnerv, Hormone, mikrobielle Metaboliten und Zytokine gelangen dann Stresssignale ins Gehirn. Hier kann gegebenenfalls ein Teufelskreis entstehen, bei dem sich Stress, Darm und Psyche wechselseitig beeinflussen.

Darmmikrobiota und die Darm-Hirn-Achse

Auch das Darmmikrobiom scheint sich in einer ständigen Kommunikation mit der Darm-Hirn-Achse zu befinden. Neuere Studien weisen darauf hin, dass die Zusammensetzung der Darmflora Einfluss auf die Achse zwischen Bauch und Gehirn und darüber auch auf die Psyche haben könnte. (1) So bestätigte eine Studie, dass sich Reizdarmsymptome durch eine probiotische bzw. antibiotische Therapie oder diätetische Maßnahmen wie einer FODMAP-reduzierten Diät, die zur Veränderung des Darmmikrobioms führen, verbessern ließen. (2) Auch die viszerale Hypersensitivität, die insbesondere in Verbindung mit dem Reizdarmsyndrom diskutiert wird, konnte durch Modulation des Darmmikrobioms mit Hilfe von Probiotika beeinflusst werden. (3) Darüber hinaus mehren sich Hinweise, dass eine Beeinträchtigung der Entwicklung des kindlichen Darmmikrobioms die Reifung des zentralen Nervensystems und die Funktion der Darm-Hirn-Achse stört. Die Dysfunktion dieser Achse kann möglicherweise die Entstehung von psychischen Erkrankungen wie Autismus oder Depression begünstigen. Bei autistischen Kindern können z. B. eine gesteigerte Permeabilität der Darmbarriere und erhöhte Freisetzung von proinflammatorischen entzündlichen Zytokinen beobachtet werden. Auf jeden Fall lässt sich zwischen verändertem intestinalen Darmmikrobiom, dem Immunsystem und der sensomotorischen Funktion des Darms ein enger Zusammenhang feststellen. (4)

Helicobacter pylori

Aber auch eine Helicobacter pylori-Infektion scheint über die Darm-Hirn-Achse zu Störungen zu führen. Beispiele dafür sind eine erhöhte viszerale Hypersensitivität im Magen, verstärkte Magenkontraktion und Hormonfreisetzung (u. a. Gastrin und Ghrelin) sowie eine gestörte Schleimhautdurchblutung der Mukosa. (5)

Abschließend lässt sich feststellen, dass eine funktionierende Kommunikation zwischen Gehirn, Verdauungstrakt und Mikrobiom für das psychische und somatische Wohlbefinden essenziell ist.

Interventionsmöglichkeiten der Naturheilkunde

Um in diesem sensiblen Zusammenspiel hilfreich zu intervenieren, gibt es in der Naturheilkunde einige Möglichkeiten zur Beeinflussung der Magen-Darmgesundheit sowie der Nervenkraft. Neben Darmsymbioselenkung und Stressbewältigungsstrategien zur Prävention und Therapie, beispielsweise Qigong, Progressive Muskelentspannung oder anderen Maßnahmen, ist eine Therapie zur Beseitigung nervöser Störungen inklusive der Berücksichtigung möglicher Magen-Darm-Beschwerden angezeigt. Zudem sollte auf eine ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen geachtet werden, insbesondere in Mangel-Situationen, letzteres lässt sich labortechnisch feststellen. Für eine initiale Therapie eignet sich häufig die parenterale Therapie, bestehend aus Vitamin B6 Hevert injekt , Vitamin B12 plus Folsäure und Calmvalera injekt , gegebenenfalls ergänzt durch Vitamin B1 Hevert . Darauf aufbauend (oder auch alleinstehend) lässt sich die perorale Behandlung dann mit Vitamin B Komplex forte Hevert Tabletten und Calmvalera (als Tabletten oder Tropfen ) fortführen. Bei bereits bestehenden Störungen der Magen-Darm-Regulation kann mit Digesto Hevert Verdauungstropfen auf gut verträgliche Weise unterstützt werden.

Literatur

  1. Collins SM, Bercik P. Gut microbiota: Intestinal bacteria influence brain activity in healthy humans. Nat Rev Gastroenterol Hepatol 2013; 10(6): 326–327.
  2. Halmos EP, Christophersen CT, Bird AR, Shepherd SJ,Gibson PR, Muir JG. Diets that differ in their FODMAP content alter the colonic luminal microenvironment. Gut 2015; 64(1): 93–100.
  3. Ringel Y, Ringel-Kulka T. The intestinal microbiota and irritable bowel syndrome. J Clin Gastroenterol 2015; 49 Suppl 1: S56–59.
  4. Borre YE, O'Keeffe GW, Clarke G, Stanton C, Dinan TG, Cryan JF. Microbiota and neurodevelopmental windows: implications for brain disorders. Trends Mol Med 2014; 20(9): 509–518.
  5. Holtmann G, Talley NJ. The stomach-brain axis. Best Pract Res Clin Gastroenterol 2014; 28(6): 967–979.